Ordnungen & Klauseln

Auf dieser Seite findet ihr Links zu den wichtigsten Ordnungen & Klauseln, die unser Studienleben beeinflussen:

Einen Gesamtüberblick findet ihr außerdem auch hier.

Ordnungen für Studierendenschaft, StuPa und AStA

 

Gleitklausel

Einführung der relativen Bestehensgrenze für Multiple-Choice-Prüfungen an der MHH

Unter dem Begriff „Gleitklausel“ verbirgt sich die relative Bestehensgrenze bei schriftlichen Prüfungen im Multiple-Choice-Verfahren (MC).
Ursprünglich kommt diese Regelung aus dem Physikum. Bis 1989 mussten die Prüflinge des Physikums „absolut“ 60% der MC-Aufgaben richtig beantworten, um zu bestehen. Dies führte zu erheblichen Schwankungen der Prüfungsergebnisse. In
einem Prüfungsjahrgang – der als das Katastrophen-Physikum bekannt wurde – fielen anstatt der üblichen 20-25% auf einmal 56% durch das Physikum!
Das Bundesverfassungsgericht beschloss darauf hin eine „relative“ Bestehensgrenze gesetzlich vorzugeben, d.h. dass der Prüfling ins Verhältniss zu seinen Mittstreitern beurteilt wird.
In der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) heißt es in § 14 Abs. 6 S.1:

Die schriftliche Prüfung ist bestanden, wenn der Prüfling mindestens 60 vom Hundert der gestellten Prüfungsfragen zutreffend  beantwortet hat oder wenn die Zahl der vom Prüfling zutreffend beantworteten Fragen um nicht mehr als 22 vom Hundert die durchschnittlichen Prüfungsleistungen der Prüflinge unterschreitet, die nach der Mindeststudienzeit von zwei Jahren bei der Ärztlichen Vorprüfung, drei Jahren bei dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und fünf Jahren beim Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung erstmals an der Prüfung teilgenommen haben.

Die Entscheidung der „Gleitklausel-Regelung“ des Bundesverfassungsgerichtes, die sich nur auf das Physikum bezog, wurde nun auch in Urteilen von Oberverwaltungsgerichten auf alle MCPrüfungen übertragen.

Natürlich kann nun nicht vollständig auf MC-Prüfungen verzichtet werden, da die Auswertung von individuell beantworteten Fragen (Freitext) einen immensen Arbeits- und Zeitaufwand bedeuten würde.
Der Studiendekan, das Studiendekanat und die studentischen Vertreter aus dem AStA konnten sich nun im Einvernehmen auf folgende pragmatische Lösungen einigen:

  • Die Gleitklauselregelung wird in die Studien- und Prüfungsordnung für den Modellstudiengang Humanmedizin analog zur  Regelung der ÄAppO eingepflegt. Es wird also das arithmetische Mittel der Referenzgruppe (= alle Erstschreiber) gebildet und anschließend 22% abgezogen (dies ist dann die „relative“ Bestehensgrenze).
  • Auf Antrag können Klausuren, die vom Prüfling bislang nicht bestanden wurden, neu berechnet werden. Dafür wird es ab Januar 2009 eine Antragsvorlage auf den Internetseiten des Studiendekanats geben.
  • Ab sofort soll die Gleitklauselregelung Anwendung finden, obwohl sie noch nicht in der Prüfungsordnung vorgeschrieben ist (vorerst händisch, ab dem Frühlingstertial auch „automatisch“ bei allen ePrüfungen).

Hier findet ihr auf Seite 2 einen Auszug aus der schriftlichen Stellungnahme des vom AStA beauftragten Rechtsanwaltes.
Bei weiteren Fragen eine Mail an: hopo@nullmhh-asta.de

Beispiele:

Berechnungsbeispiel zur Anwendung der “Gleitklausel”
absolute Bestehensgrenze: 60%
relative Bestehensgrenze: Abweichung bis 22% vom
[“Gleitklausel”] arithmetischen Mittel

Beispiel 1:

arithmetisches Mittel einer Klausur: 78,00%
22% von diesem Mittelwert: – 17,00%
[22% von 78 %]
= 61,00%
Das heißt, die Gleitklausel greift nicht, es bleibt bei der Bestehensgrenze
von 60%!

Beispiel 2:

arithmetisches Mittel einer Klausur: 68,00%
22% von diesem Mittelwert: – 15,00%
[22% von 68 %]
= 53,00%
Das heißt, die Gleitklausel findet Anwendung und die “neue”
Bestehensgrenze ist 53%!